Gedanken zum Deutschlandfunk-Beitrag:
Text: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/831393/
Audio-Datei: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/08/13/dlf_20080813_1840_e5bdbc2f.mp3
Den Beitrag uebrigens habe ich mir angehoert – viel Wahrheit dabei aber leider auch wieder ein typischer Westbeitrag. Die meissten menschen koennen eben ihr Leben nicht einfach so verwissenschaftlichen und wenn sich meine Eltern oder deren Freunde den Beitrag anhoeren, wuerden sie sicher denken man spreche ueber ein anderes land und und nicht das, in dem sie aufgewachsen sind. Die Menschen haben dort naemlich auch einfach ganz normale Leben gefuehrt. Ohne sich einzurichten, wie immer so schoen gesagt wird. Wenn Du damit aufwaechst, dass man nicht in den Westen reisen kann, dann richtet man sich nicht damit ein, soondern es ist ganz einfach ein Fakt, den man nicht veraendern kann. Naja und dieses Leben war eben nicht jeden Tag von Politik bestimmt, sondern von ganz normalen Alltagsproblemen aber einem grossen Unterschied zu dem Alltag, den ein Grossteil der Ossis heutzutage erlebt – naemlich der Angst vor der Zukunft. Denn nach der Freude ueber den Mauerfall kam doch gleich die Angst um den Absturz und den Verlust des Arbeitsplatzes und wenn ich den Freundeskreis meiner Eltern reden hoere, dann sind das die Themen, die die Menschen am meissten bewegen. Auch wenn das vielleicht nur fuer 25% der Ossis gilt aber diejenigen werden ihren Kindern ein schoenes Bild der DDR malen. Denn nach Malle fahren die schon laengst nicht mehr und allein die Tatsache, dass sie es koennen erfreut sie eben auch laengst nicht mehr. Im uebrigen ist es doch normal, dass die Menschen das schlechte verdraengen und nach zwanzig jahren alles ein wenig schoener aussieht – das war doch mit der Nazi-Generation nicht anders. Aber die groesste Ungerechtigkeit ist doch, dass sich heute jeder darueber wuendert, wie man sich denn in einer Diktatur so schoen einichten hatte koennen und gleichzeitig beziehen diejenigen, die sich damals gegen das System gestellt haben und deswegen nicht studieren durften heute Harz IV – eben weil sie eine ungenuegende Ausbildung haben und diejenigen, die sich mehr als nur angepasst haben und das System verteidigt haben, wie Polizisten, Grenzbeamte, Soldaten etc. wurden nach einer kleinen Abstufung einfach in den Westdienst uebernommen oder bekommen jetzt eine fette Rente. Das weiss im Osten jeder – wem es damals gut ging, dem geht es auch heute gut. Abgesehen von ein paar Stasi- und Politleuten. Aber selbst die fanden meisstens gute Jobs wie ich aus der eigenen Familie weiss. Die Lehre aus der DDR-Zeit ist daher fuer die meissten: immer schoen mitmachen!!!
Naja und dann so Sachen wie der Palast der Republik in Berlin – ein klassisch deutscher Umgang mit Geschichte. Die SED hat das Schloss sprengen und den Palast der Republik bauen lassen; 60 Jahre spaeter laesst der Bundestag den Palast sprengen um das Schloss wieder aufzubauen. Wie absurd ist das denn? Der Palast war Geschichte und die Bundespolitik laesst ihn abreissen – welch ein Symbol fuer die Menschen aus dem Osten.
Und dann immer wieder dieses verdammte zusammenwachsen – der arme Willy, wenn der wuesste, was man mit seinen Worten alles anstellt. Die Menschen sind verschieden, weil sie 50 Jahre in verschiedenen Systemen gelebt haben. Sie haben andere Werte und begreifen Staatlichkeit anders. Und sie haben eben auch verschiedenen Blickwinkel auf die Vergangenheit. Anstatt sie angleichen zu wollen, sollte man sich anschauen, woher die Unterschiede kommen und welche Sichtweise die treffendere ist. Ehrlich gesagt – ich finde es in der Tat ein wenig befremdlich, wenn mir ein Wessi die DDR erklaeren will.
Aber natuerlich sind laengst nicht alle frustriert und deprimiert wünschen sich die DDR zurueck. Alle meine Freunde z.B. (von denen fast niemand mehr im Osten lebt) haben mit diesen DDR-Nostalgien nichts am Hut. Das ist aber auch ein Problem – denn fuer die ist die DDR einfach nur ein Phaenomen, in dem sie zufaellig geboren sind. Leider ist diese Einstellung beim groessten Teil meiner Generation (so ziemlich der letzten Generation, die die DDR noch bewusst erlebt hat und von der man behaupten koennte, dass sie zumindest noch zu einem kleinen Teil durch die DDR gepraegt worden ist) vertreten. Viele von denen sind flexibel und erfolgsorientiert und schauen sehr positiv in die Zukunft und zugleich, dass haben viele Studien dazu gezeigt, sind sie heimatverbundener (allerdings mit einem anderen, sehr viel unpolitischerem Heimatbegriff) als viele ihrer Generation aus dem Westen – nur leider sind diese Ossis fast alle ahistorisch. Sie werden ihren Kindern nichts, oder nicht sehr viel ueber die DDR erzaehlen koennen, da DDR fuer sie nur eine Episode war. Die meisten Kinder dieser Generation wachsen eh in Hamburg, Muenchen oder Koeln auf. Und diejenigenen, die ihren Kindern etwas von der DDR berichten, sind meistens die selbsternannten Wende-Verlierer und Frustierten.