Bilanz
Veröffentlicht von moroitalia in Podcast am 14. August 2009
Leider ist aus der ganzen Podcast-Anfangsbegeisterung noch nichts Konkretes geworden. Wie das mit Euphorien manchmal so ist – ohne ein wenig Struktur sind sie einfach nur da und am Ende können sie dann gar zu Frust werden, weil man es einfach nicht schafft die Begeisterung umzusetzen. Aber noch ist es nicht soweit. Ein heisser, ereignisreicher Frühsommer liegt hinter mir und ein arbeitsreicher Spätsommer vor mir. Irgendwo dazwischen soll dann Zeit für die ersten Podcasts sein. Die Ideen sind da und die Konzepte stehen auch. Es fehlt eiegentlich nur die Umsetzung und es mangelt ein wenig an technischer Erfahrung. Aber das kommt dann wohl mit der Praxis.
Podcastfieber und Kundera
Veröffentlicht von moroitalia in Alltag, Podcast am 3. April 2009
Nach dem letzten, doch eher etwas deprimierenden Eintrag ist nun das komplette Gegenteil eingetreten. Euphorie und gute Laune, egal wo man hinschaut. Zum einen haben wir gestern die Verfilmung des Kundera Romans: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ gesehen und zum anderen ist bei uns jetzt das absolute Podcastfieber ausgebrochen. Aber eins nach dem anderen:
Der Film war gut, dicht am Buch aber so’n Film ist einfach nicht das selbe. Teilweise erschienen mir die vielen Erotikszenen im Film fast banal – im Buch hingegen waren sie irgendwie mehr Teil einer höheren Sache. Ausdruck eines Kampfes den Tomas führte. Naja, aber es ist schon lange her, dass ich das Buch gelesen habe. Vielleicht sollte ich es gleich nocheinmal lesen.
Nun aber zum Podcastfieber. Ich bin ja schon eine ganze Weile im Internet unterwegs um mir die neuesten Nachrichten von Deutschlandradio, NDR-Info oder anderen Radiosendern auf meinen i-Pod zu laden. Bei dieser Recherche sind wir auf einen fantastischen Podcast von Annik Rubens gestoßen, der nun schon seit vier Jahren existiert. Auf www.schlaflosinmuenchen.com bzw. www.slowgerman.com kann man die Podcasts von Annik herunterladen. Ihr Podcast ist ein freies Format und sie spricht wie man so schön sagt über Gott und die Welt. Darunter aber auch über ihre Projekte, die sehr faszinierend sind, aber auch über Bücher und CDs die sie gelesen und gehört hat. Schon beim ersten Hören ihres Podcasts fühlte ich mich, als würde ich einer guten Freundin beim Erzählen zuhören. Sie spricht so sanft und weich und klingt dabei einfach nur sympathisch. Da ihr Podcast www.slowgerman.com langsam gesprochene Texte zum Deutsch lernen sind, die man auch als pdf in Textform herunterladen kann, bin ich nun auf die Idee gekommen ein ähnliches Projekt zu starten. Wir werden also demnächst einen Podcast produzieren.
Ich bin schon ganz hibbelig und möchste am liebsten sofort anfangen.
Leben
Veröffentlicht von moroitalia in Alltag am 26. März 2009
Was ich vom Leben will?
Wenn jemand seine Heimat verlässt und in ein anderes Land zieht ohne die Sprache zu sprechen und ohne zu wissen, was er dort machen wird, so ist diese Person vielleicht eher dazu geneigt zu fragen: Was wäre wenn? Und so geht es mir eben auch. Was wäre wenn ich in Deutschland geblieben wäre? Man mag jetzt meinen diese Fragerei sei müssig und völlig sinnlos und dennoch muss man sich diesen Fragen und Zweifeln regelmäßig stellen. Jedenfalls muss ich es. Ich lebe in einem fantastischen Land mit fantastischen Menschen – einer ausgezeichneten Küche und noch besserem Wetter. Und ich gehe einer Arbeit nach, die nicht die meine ist, die mir aber dennoch Freude bereitet.
Eigentlich sollte alles ok sein aber hin und wieder überkommt es mich doch und dann steht über all dem wieder die Frage: Mache ich das Richtige? Leider kann man dieser Frage ab einem gewissen Alter irgendwie nicht mehr ausweichen. Man hat Angst etwas zu verpassen bzw. einen falschen Weg zu gehen. Einen Weg, den man später nicht mehr ändern kann. Auf einmal scheinen alle Anderen das Richtige zu machen. Alle scheinen sich weiterzuentwickeln und nur ich bleibe stehen. Alle scheinen zu promovieren, einen Master auf das Studium draufzusetzen, die Karriereleiter hochzuklettern oder wenigstens mehr Geld zu verdienen – nur ich trete auf der Stelle. So scheint es.
In solchen Momenten wird mir aber auch immer wieder deutlich, dass ich mit einem Bein noch in Deutschland lebe und mit dem anderen Bein schon in Italien. Denn meine Freunde hier denken ganz anders als meine Freunde in Deutschland. Oft ist Karriere und Geld ein Thema bei Gesprächen mit Freunden in Deutschland. Natürlich rede ich auch mit meinen Freunden und Kollegen in Italien darüber. Der Unterschied liegt darin, dass die Karriere und das Geld hier eher Dinge sind, die man als glückliche Fügung betrachtet wenn man sie besitzt. Wenn man sie aber nicht besitzt, dann wird das als völlig normaler Zustand betrachtet. In Deutschland hingegen scheint es normal zu sein, dass man Geld hat und Karriere macht und ein Unglück (oder sogar Unfähigkeit), wenn man diese Dinge nicht besitzt.
Aber es soll gar nicht auf die alte Leier hinauslaufen: Italiener locker und cool und Deutsche verkrampft und uncool. Zum einen glaube ich nicht, dass es tatsächlich so ist und zum anderen denke ich, dass die Italiener irgendwie auch aus der Not eine Tugend gemacht haben. Es gibt eben einfach viel weniger Möglichkeiten mehr Geld zu verdienen und Karriere zu machen.
Alltag im Osten
Veröffentlicht von moroitalia in DDR am 20. November 2008
Gedanken zum Deutschlandfunk-Beitrag:
Text: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/831393/
Audio-Datei: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/08/13/dlf_20080813_1840_e5bdbc2f.mp3
Den Beitrag uebrigens habe ich mir angehoert – viel Wahrheit dabei aber leider auch wieder ein typischer Westbeitrag. Die meissten menschen koennen eben ihr Leben nicht einfach so verwissenschaftlichen und wenn sich meine Eltern oder deren Freunde den Beitrag anhoeren, wuerden sie sicher denken man spreche ueber ein anderes land und und nicht das, in dem sie aufgewachsen sind. Die Menschen haben dort naemlich auch einfach ganz normale Leben gefuehrt. Ohne sich einzurichten, wie immer so schoen gesagt wird. Wenn Du damit aufwaechst, dass man nicht in den Westen reisen kann, dann richtet man sich nicht damit ein, soondern es ist ganz einfach ein Fakt, den man nicht veraendern kann. Naja und dieses Leben war eben nicht jeden Tag von Politik bestimmt, sondern von ganz normalen Alltagsproblemen aber einem grossen Unterschied zu dem Alltag, den ein Grossteil der Ossis heutzutage erlebt – naemlich der Angst vor der Zukunft. Denn nach der Freude ueber den Mauerfall kam doch gleich die Angst um den Absturz und den Verlust des Arbeitsplatzes und wenn ich den Freundeskreis meiner Eltern reden hoere, dann sind das die Themen, die die Menschen am meissten bewegen. Auch wenn das vielleicht nur fuer 25% der Ossis gilt aber diejenigen werden ihren Kindern ein schoenes Bild der DDR malen. Denn nach Malle fahren die schon laengst nicht mehr und allein die Tatsache, dass sie es koennen erfreut sie eben auch laengst nicht mehr. Im uebrigen ist es doch normal, dass die Menschen das schlechte verdraengen und nach zwanzig jahren alles ein wenig schoener aussieht – das war doch mit der Nazi-Generation nicht anders. Aber die groesste Ungerechtigkeit ist doch, dass sich heute jeder darueber wuendert, wie man sich denn in einer Diktatur so schoen einichten hatte koennen und gleichzeitig beziehen diejenigen, die sich damals gegen das System gestellt haben und deswegen nicht studieren durften heute Harz IV – eben weil sie eine ungenuegende Ausbildung haben und diejenigen, die sich mehr als nur angepasst haben und das System verteidigt haben, wie Polizisten, Grenzbeamte, Soldaten etc. wurden nach einer kleinen Abstufung einfach in den Westdienst uebernommen oder bekommen jetzt eine fette Rente. Das weiss im Osten jeder – wem es damals gut ging, dem geht es auch heute gut. Abgesehen von ein paar Stasi- und Politleuten. Aber selbst die fanden meisstens gute Jobs wie ich aus der eigenen Familie weiss. Die Lehre aus der DDR-Zeit ist daher fuer die meissten: immer schoen mitmachen!!!
Naja und dann so Sachen wie der Palast der Republik in Berlin – ein klassisch deutscher Umgang mit Geschichte. Die SED hat das Schloss sprengen und den Palast der Republik bauen lassen; 60 Jahre spaeter laesst der Bundestag den Palast sprengen um das Schloss wieder aufzubauen. Wie absurd ist das denn? Der Palast war Geschichte und die Bundespolitik laesst ihn abreissen – welch ein Symbol fuer die Menschen aus dem Osten.
Und dann immer wieder dieses verdammte zusammenwachsen – der arme Willy, wenn der wuesste, was man mit seinen Worten alles anstellt. Die Menschen sind verschieden, weil sie 50 Jahre in verschiedenen Systemen gelebt haben. Sie haben andere Werte und begreifen Staatlichkeit anders. Und sie haben eben auch verschiedenen Blickwinkel auf die Vergangenheit. Anstatt sie angleichen zu wollen, sollte man sich anschauen, woher die Unterschiede kommen und welche Sichtweise die treffendere ist. Ehrlich gesagt – ich finde es in der Tat ein wenig befremdlich, wenn mir ein Wessi die DDR erklaeren will.
Aber natuerlich sind laengst nicht alle frustriert und deprimiert wünschen sich die DDR zurueck. Alle meine Freunde z.B. (von denen fast niemand mehr im Osten lebt) haben mit diesen DDR-Nostalgien nichts am Hut. Das ist aber auch ein Problem – denn fuer die ist die DDR einfach nur ein Phaenomen, in dem sie zufaellig geboren sind. Leider ist diese Einstellung beim groessten Teil meiner Generation (so ziemlich der letzten Generation, die die DDR noch bewusst erlebt hat und von der man behaupten koennte, dass sie zumindest noch zu einem kleinen Teil durch die DDR gepraegt worden ist) vertreten. Viele von denen sind flexibel und erfolgsorientiert und schauen sehr positiv in die Zukunft und zugleich, dass haben viele Studien dazu gezeigt, sind sie heimatverbundener (allerdings mit einem anderen, sehr viel unpolitischerem Heimatbegriff) als viele ihrer Generation aus dem Westen – nur leider sind diese Ossis fast alle ahistorisch. Sie werden ihren Kindern nichts, oder nicht sehr viel ueber die DDR erzaehlen koennen, da DDR fuer sie nur eine Episode war. Die meisten Kinder dieser Generation wachsen eh in Hamburg, Muenchen oder Koeln auf. Und diejenigenen, die ihren Kindern etwas von der DDR berichten, sind meistens die selbsternannten Wende-Verlierer und Frustierten.
Verzweiflung II
Veröffentlicht von moroitalia in Alltag am 19. November 2008
Worüber spricht man nur mit Erwachsenen in einer Fremdsprache. Ich meine, es sollte kein Problem sein ein Thema zu finden und dennoch, selbst im gesprächigen Italien kann so ein Deutschkurs mal ganz schnell zu einem peinlichen auf die Uhr-guck-Unterricht werden. Vor dem Unterricht wird das Internet auf den Kopf gestellt und jede Unterrichtsidee wird geradezu aufgesogen. Man erdenkt sich interessante Themen, glaubt, dass daraus stundenlange, ja zumindest eine 10minütige Diskussion entsteht und am Ende wird’s dann nur ein „bo“.
Verzweiflung
Veröffentlicht von moroitalia in Alltag am 19. November 2008
Ich weiss nicht was schlimmer ist. Kleine Kinder, die sich nicht für Dich interessieren, weil Buntstifte tausend mal interessanter sind oder Jugendliche, die Deinen Unterricht voller Verachtung für Dich über sich ergehen lassen. Beide muss man anschreien und beiden ist es egal. Die Hälfte eines ganz normalen Lektortages ist somit vorbei. Heute durfte ich die „kleinen Zeugnisse“ – le pagelline – ausfüllen. Wozu braucht man eigentlich ein kleines Zeugnis nach nur zwei Monaten Unterricht? So richtig kann das niemand beantworten.
Heute Abend wird mir dann auch noch das Spiel geraubt. Deutschland gegen England und ich sitze mit vier Erwachsenen Männern in einem kleinen Raum und höre mich schon sagen: „nein, es heisst nicht die Baum, es heisst der Baum. Ja, im Akkusativ wird aus der Baum den Baum.“ Wenigstens schien den ganzen Tag die Sonne…
Goldener November
Veröffentlicht von moroitalia in Alltag am 18. November 2008
Auch im schoenen Italien kann es verdammt kalt werden und dennoch. Die Sonne scheint und man kann auch noch im November fantastische Tage erleben. Das Schuljahr hat begonnen und die erste Administrationswelle italienischer Schulen liegt hinter mir. Endlose Sitzungen in denen man ueber problematische Schueler spricht – als haette man das nicht alles schon hundert mal besprochen. Und wenn man gerade denkt, nun ist alles vorbei, dann klopfen auch schon die Eltern an die Tuer und man redet und redet und redet.
Seit diesem Schuljahr unterrichte ich nun auch in der Grundschule. Nicht mehr als Lektor, sondern dort als echter Lehrer mit echten Problemen. Das muss man sich ungefaehr so vorstellen, dass 13 unglaublich suesse kleine Teufel 60 Minuten das machen, was ihnen gerade in den Kopf kommt und ein verzweifelter Junglehrer lustige Tiere auf A4-Blaettern in die Luft haelt und unentwegt Kuh, Kuh, KUUUUUUUUHHHHHH! bruellt. Und wenn die kleinen Teufel es dann einmal verstanden haben, bruellen sie es aus voller Leidenschaft zurueck in meine Richtung.
Da ist zum Beispiel der kleine Michele. Obere Zahnreihe – Fehlanzeige. Interesse am Unterricht – gegen null. Interesse an seinen sekundaeren Geschlechtsorganen – 100%. Und so passiert es dann, dass ein kleiner Zwerg sich wahrend des Unterrichts permanent den Bauch streichelt und dann anscheinend so in Erregung verfaellt, dass er gleich komplett baeuchlings auf den Tisch springt und sich wie ein Hund an einem Bein verhaelt.
Oder Jennifer – ein kleines blondes Biest, dass so gar keine Lust darauf hat Deutsch zu lernen aber schon ziemlich genau zu wissen scheint, wohin die Reise geht: „Guarda, che tettone“ schrie sie mir neulich ins Gesicht. 7 Jahre ist das Mädchen alt.
Rund
Veröffentlicht von moroitalia in Alltag am 7. September 2008
So ganz rund wollen die Einträge hier noch nicht laufen aber aller Anfang ist schwer. Serbien liegt inzwischen schon einige Zeit hinter uns und der italienische Alltag hat uns wieder. Ein Wort zum Balkan muss ich dann aber doch noch verlieren – Guca ist tatsächlich der Wahnsinn made in Serbia. Eine musikalisches Volksfest im Vollrausch – einfach genial. Vor allen Dingen die Posaunen auf Koks sind in der Tat beeindruckend.
Serbien
Veröffentlicht von moroitalia in Reisen am 10. August 2008
Nun also Serbien.
Uzice (http://de.wikipedia.org/wiki/U%C5%BEice) heisst die kleine Perle, in einem Tal gelegen befindet sie sich ca. 300 km von Belgrad in der Naehe der Grenze zu Bosnien. Die Geburtsstadt meiner kleinen Schnecke hat wohl so um die 60 bis 70.000 Einwohner. Die Serben sind in der europaeischen Oeffentlichkeit ja eigentlich immer nur unter Themen wie Kriegsverbrecher oder Kosovo zu finden. Haben also kurz gesagt eine eher schlechte Reputation. Wie das aber meisstens so ist, sieht die Realitaet ganz anders aus. Man beschreibt die Serben wohl am besten als liebevoll-chaotisch mit einem sehr ausgepraegten Sinn fuer Gastfreundschaft. An diesem Wochenende findet hier ganz in der Naehe von Uzice ein inzwischen weit ueber die Grenzen Serbiens hianaus bekanntes Festival traditioneller serbischer Musik statt. Das Guca Trompetenfestival (http://de.wikipedia.org/wiki/Gu%C4%8Da-Trompetenfestival). Und genau dort fahren wir heute Abend hin. Beim naechsten mal also mehr vom wohl verruecktesten Festival der Welt.la udienza – die Lehrersprechstunde
Veröffentlicht von moroitalia in Alltag am 29. Februar 2008
Nach dem kleinen Ausflug in die Langeweile deutscher Talkshows nun zurück zum eigentlichen Thema – Italien vs. Deutschland.
Eine unter vielen Besonderheiten italienischer Schulen sind die sogenannten „udienze“, was ungefähr so viel wie Audienz oder Sprechstunde bedeutet. Die Eltern haben einmal in der Woche die Möglichkeit für 30 Minuten den Peiniger ihrer Kinder zu sprechen. Bei Lektoren der deutschen Sprache läuft das in der Regel so ab, dass zu Beginn des Schuljahres ein Massenansturm auf den neuen, noch unbekannten Lehrer einsetzt, der sich dann in 30 Minuten mit 5-10 Eltern in gebrochenem Italienisch über Kinder unterhalten muss, an die er sich auf gar keinen Fall erinnern kann, geschweige denn eine fachliche Einschätzung abgeben kann. Er tut es trotzdem.
So werden aus kleinen Arschlöchern in der Sprechstunde plötzlich kleine Engel und aus verpickelten Nervensägen geduldige und wissbegierige Schüler.